Degussa und das liebe Vieh
Die Erfolgsgeschichte des Methionin
Methionin ist eine schwefelhaltige Aminosäure, deren Herstellung auf den Ausgangsprodukten Acrolein, Methylmercaptan und Cyanwasserstoff beruht. Aminosäuren sind Bausteine jedes Proteins und damit lebensnotwendige Nährstoffe für Mensch und Tier. Einige von ihnen, darunter auch Methionin, können vom Körper nicht selbst gebildet werden und müssen deshalb mit der Nahrung zugeführt werden. Geflügel benötigt besonders viel Methionin im Futter. In der Regel reicht das in den Futterrohstoffen (z.B. Getreide, Sojaschrot) natürlich vorkommende Methionin nicht aus, um den Bedarf der Tiere zu decken. Industriell hergestelltes D,L-Methionin schließt diese Versorgungslücke.
Die Geschichte des Methionins beginnt in den frühen zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. J. H. Müller, Forscher an der Columbia University, New York, isolierte 1922 eine „schwefelhaltige Aminosäure“, gab aber eine falsche Summenformel an. Drei Jahre später korrigierte sein Kollege Odake in Japan diese Formel und gab der Aminosäure den Namen „Methionin.“ Sechs Jahre später bestimmten G. Barger und F. P. Coyne die Struktur dieser Aminosäure.
An diese Erkenntnisse knüpften die Forscher der Degussa in der Nachkriegszeit an. Mit der synthetischen Aminosäure Methionin wollte man den in Deutschland vor allem bei Kriegsheimkehrern weit verbreiteten Hungerödemen, die als Folge eines chronischen Eiweißmangels auftreten, entgegenwirken. Die erste technisch durchführbare Synthese von D,L-Methionin bei der Degussa gelang Werner Schwarze, Hans Wagner und Hermann Schulz in den Jahren 1946/47.
|
Da die wichtigsten Vorprodukte für Methionin - Acrolein und Blausäure - bei der Degussa hergestellt werden konnten (1936 führten Wagner und Schulze die Synthese von Acrolein aus Acetaldehyd und Formaldehyd durch), begannen die nach Konstanz ausgelagerten Forschungslabors noch 1946 die Arbeit. Bereits im Juni 1948 konnte Werner Schwarze dem wissenschaftlichen Leiter der Chemiewerk Homburg AG, einer Pharmatochter der damaligen Degussa, das erste 1-kg-Muster überreichen. Die Produktion von D,L-Methionin im Werk Konstanz begann.
|
|
Die Entwicklung von der Versuchsanlage mit einer Kapazität von 300 kg pro Monat bis zur Produktion mit einer Kapazität von 30 Tonnen pro Monat dauerte nur ein Jahr. Das Konstanzer Methionin hatte pharmazeutische Qualität und kurz darauf brachte die Chemiewerk Homburg AG das erste Medikament mit D,L-Methionin-Anteil (0,5 g pro Tablette) unter dem Namen „Thiomedon“ auf den Markt.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit für Methionin ergab sich wenige Jahre später, als in einem Fütterungsversuch mit Legehennen gezeigt wurde, dass Methionin die Legeleistung verbessert. Allerdings verfügte Degussa zunächst nicht über eigenes Know-how in der Tierernährung. Erst 1953 startete nach ersten Fütterungsversuchen die Arbeitsgruppe "Einführung und Promotion von D,L-Methionin und ähnlichen Produkten". Im gleichen Jahr wurde Methionin vom Landwirtschaftsministerium in Bonn zur Verwendung im Tierfutter zugelassen. Ein Aminosäurelabor zur quantitativen und qualitativen Bestimmung von Aminosäuren in Futtermitteln, Mischfuttern und Vormischungen entstand 1961. Mit dem zunehmenden Erfolg des Methioningeschäfts wurden die Aufgabengebiete ausgeweitet und neue Aminosäuren entwickelt.
Im Jahr 1971 startete die Aufnahme der Methioninproduktion im Werk Wesseling in Deutschland, drei Jahre später wurde die Methioninanlage im Degussa Werk Antwerpen, Belgien, mit einer Anfangskapazität von 12.000 Jahrestonnen in Betrieb genommen. Es folgte der Produktionsbeginn im Werk Mobile der Degussa Corporation in Alabama, USA, im Jahr 1977. In den darauf folgenden Jahren wurde die Produktions- kapazität in den bestehenden Anlagen kontinuierlich bis auf 230.000 Jahrestonnen ausgebaut.
Im November 2003 schließlich erfolgte der Spatenstich zur neuen Methioninanlage in Antwerpen, der größten Methioninanlage der Welt mit einem Investitionsvolumen von rund 350 Millionen Euro und einer Kapazität von 150.000 Tonnen pro Jahr.
Degussa bietet heute eine breite Palette an Aminosäuren für die Anwendungsgebiete Tierernährung, Nahrung und Pharma an. Haupteinsatzbereich für Methionin ist die Tierernährung. Die Produktion von Methionin gehört zum Degussa Geschäftsbereich Feed Additives.
Weitere Informationen:
- für den Einsatz in der Tierernährung:
- für andere Anwendungen: