Das erste Textilhilfsmittel
Monopolseife
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Es dürfte kaum bekannt sein, dass Naturfasern, vor allem Wolle, Baumwolle und Seide, außerordentlich widerspenstig sind, wenn es darum geht, sie weiterzuverarbeiten, insbesondere zu bleichen, zu färben oder zu appretieren. Seife war seit Jahrhunderten ein bekanntes Hilfsmittel, um die Fasern für den Verarbeitungsprozess vorzubereiten.
Ein unvollkommenes Mittel, insbesondere wegen der Anfälligkeit von Seife gegen die Härtebildner des Wassers. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen für diesen Zweck deshalb verstärkt sogenannte Türkischrotöle, die aus sulfoniertem Rizinusöl hergestellt wurden, zur Anwendung.
Dr. Julius Stockhausen, dem Gründer und Komplementär der Crefelder Seifenfabrik Stockhausen & Traiser, gelang 1896 der Durchbruch bei der Entwicklung moderner Textilhilfsmittel. Monopolseife und dessen flüssige Variante, Monopolbrillantöl, sind ebenfalls sulfonierte Rizinusöle; sie sind aber bei Weitem höher sulfoniert als normale Türkischrotöle und liefern so besonders beim Färben von Textilien wesentlich bessere Ergebnisse. |
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| Werbung für Monopolseife, um 1910 | |
Hans Stockhausen, einer der Söhne von Dr. Julius Stockhausen, gelang es, die Entwicklung der zunächst nur im Laborversuch erfolgreiche Monopolseife so weiter zu voran zu bringen, dass eine Großproduktion möglich wurde. Außerdem vermochte er sie am Markt, insbesondere in der Seidenindustrie durchzusetzen.
Monopolseife und Monopolbrillantöl galten damals als „erste echte Textilhilfsmittel“. Sie schufen nicht nur einen neuen Markt, sondern prägten die Crefelder Seifenfabrik nachhaltig. Innerhalb weniger Jahre wuchs das Geschäft mit Monopolseife und einigen Nachfolgeprodukten derart, dass eigens die noch heute existierende neue Fabrik am Bäkerpfad als Produktionsstätte errichtet wurde. Darüber hinaus gründete man 1912 die Chemische Fabrik Stockhausen & Cie., die sich von der alten Seifenfabrik rasch emanzipierte.
1907 schloss Stockhausen den so genannten Bayer-Vertrag, der erst 1991 endgültig auslief, als der Leverkusener Chemiekonzern seine Beteiligung an Stockhausen aufgab. Bayer übernahm 1907 die Vermarktung der neuen Stockhausen-Produkte im Ausland und machte im Gegenzug dem Krefelder Unternehmen im Inland keine Konkurrenz mehr.
Obwohl die Monopolseife bereits in den 1930er nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprach und nach dem Zweiten Weltkrieg völlig bedeutungslos wurde, gilt sie bis heute als Schlüsselprodukt in der Unternehmensgeschichte. Auf ihr gründete sich im Wesentlichen über Jahrzehnte der ausgezeichnete Ruf von Stockhausen, auch wenn die heutige Degussa Tochtergesellschaft Stockhausen GmbH ihre Textilaktivitäten zu Beginn des 21. Jahrhunderts veräußerte.